Donnerstag, 3. November 2016

U'nd jetzt wird die Modellierung verändert . . .


Kritik an den schwachsinnig eingekleideten Abituraufgaben in Deutschland ist nicht wirklich neu. Neu ist, dass die letzten Abituraufgaben in  Baden-Württemberg, die nicht vom IQB stammen, allem Anschein nach von Leuten verfasst wurden, die den Kritikern dieses Aufgabenformats Munition liefern wollen. Dabei beginnt die Aufgabe A1 des Nachtermins 2016 wie alle andern auch: die Temperatur eines Dingsbums (ein Taschenwärmer, aber das tut nichts zur Sache) wird beschrieben von einer Funktion f, und es folgen Fragen nach dem Maximum, nach dem Zeitraum, in dem die Temperatur oberhalb  von 20o C liegt, und nach der größten Temperaturabnahme (gemeint ist die schnellste Temperaturabnahme, aber man muss die Fragen so stellen, dass Leute, die sich was dabei denken, ins Straucheln kommen). Auch die Fragen in Teil b) waren schon ein gefühltes Dutzend Mal dran: mittlere Temperatur und der rechnerische Nachweis, dass sich das Ding, nachdem die Temperatur maximal war, immer weiter abkühlt.

Inhaltlich ist auch Aufgabenteil c) eine Standardfrage, was diesen Nachtermin dann doch zum vermutlich einfachsten seit der Einführung von G8 macht. Eine Überraschung liefert dagegen die Formulierung:

Ab dem Zeitpunkt t=60 wird die Modellierung so verändert, dass die momentane Änderungsrate konstant bleibt.

Dann wird gefragt, wie sich die Realität durch die Modifikation des Modells ändert:

Wann hat der Taschenwärmer nach diesem Modell wieder die Umgebungstemperatur angenommen?

Ist das schon subversiv? Oder gibt man jetzt offen zu, dass die Modellierungsaufgaben nichts modellieren, also nur an den Haaren herbeigezogene Einkleidungen sind mit dem einzigen Zweck, das Fach Mathematik so lächerlich wie möglich erscheinen zu lassen?

Das IQB wird sich anstrengen müssen, um diesen Unsinn beim Abitur 2017 zu übertreffen. Ich hege allerdings nicht den geringsten Zweifel daran, dass ihm das gelingen wird.

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