Sonntag, 16. Juni 2019

Digitalisierungsexpertinnen

Die Digitalisierung der Schulen steht an. In den nächsten Jahren überweisen Bund und Länder einige Milliarden Euro an die Firmen, die digitale Bildung versprechen, und danach werden die Schulen sich fragen, was sie damit anfangen können. Zum Glück gibt es jetzt schon Expertinnen, die in der Lage sind, die Gretchenfrage zu stellen. Eine davon ist Frau Prof. Dr. Katja Eilerts, die in Berlin an der Universität ein Mathe-Labor entwickelt hat:

     Es gibt Roboter, die ein perfektes Dreieck zeichnen können. 
     Warum aber soll ich 2500 Euro in etwas investieren, dass den 
     Kindern beim Erwerb mathematischer Fähigkeiten überhaupt   
     nicht weiterhilft?

Eine Antwort auf diese Frage gibt sie nicht, aber manchmal ist es wichtiger, eine gute Frage gestellt als eine gute Antwort gegeben zu haben.

     Im Labor stehen die Roboter Ozobot und Bob3, der 
     Minicomputer Calliope, Lego-Bausätze, iPads mit diversen 
     Mathe-Apps, ein interaktiver Tisch und andere Geräte bereit.
   
Leider verrät sie nicht, welcher der drei Roboter  für 2500 Euro ein Dreieck zeichnen kann. Auch wozu sie sonst gut sein sollen, wird nicht verraten. Einen konkreten Nutzen für Mathelehrer hat das Labor aber dann doch:

     Es gibt Erklärvideos in Gebärdensprache für hörgeschädigte 
     Kinder. Das sind inklusive Ansätze, die den Unterricht 
     bereichern.

Erklärvideos. Ohne Scheiß?

Einmal mehr sei dann noch die Frage gestellt, auf welchem Bildungsweg Frau Dr. Eilerts ihre Einsichten in die Notwendigkeit digitaler Bildung gewonnen hat. Wer hier schon eine Weile mitliest, kann diesen Bildungsweg fast erraten: Studium Grundschullehramt, Referendariat,  Promotionsaufbaustudium Mathematik und bevor man sich versieht, ist man Professorin an der HU Berlin. Dort kann man dann forschen und in Dublin einen Vortrag über die "Importance and possibility of integrating gender competence as a key qualification in mathematics teacher education" halten.

Wer den Begriff Promotionsaufbaustudium nicht kennt, googelt nach. Hab ich gemacht und gelernt, dass man dort in zwei Semestern ein "abgeschlossenes Hochschulstudium" vertiefen kann. Diese Stecknadel der Beschreibung eines Studiengangs zu finden war aber nicht ganz leicht, denn die allermeisten Treffer waren Biographien von ErziehungswissenschaftlerInnen, die sich damit ihren Doktor als Eintrittskarte auf eine Professur an Universitäten verdient haben. Wobei "verdient" vielleicht ein etwas zu großes Wort ist.

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