Sonntag, 15. Dezember 2019

Get Brexit Done

Ich unterstütze Johnsons Plan ausdrücklich, jedenfalls wenn wir an der richtigen Stelle anfangen: beim englischen Transportunternehmen go-ahead, das seit Juni 2019 für den lokalen Bahnbetrieb hier in der Gegend zuständig ist, aber sich als komplett unfähig erwiesen hat, ihren Kunden den Service zu bieten, den sie bezahlt haben. In den ersten Monaten fuhr bei uns gar kein Zug, weil die Software für die Türen nicht funktionierte. Inzwischen fahren sie zumindest im Fahrplan, und manchmal sogar richtig.

Trotz bezahlter Fahrkarten muss man seine Kinder regelmäßig auf einem Bahnhof abholen, an dem sie wieder mal gestrandet sind; Schüler, die mit dem Zug zur Schule fahren, kommen regelmäßig zu spät.

Ich habe nach dem letzten Zwischenfall dann eine Email geschrieben:

    Guten Abend,

    Ich habe weder Sie, noch Ihren Vorstand oder Ihre Schaffner oder Zugführer 
    je angebrüllt, nicht einmal, wenn einer Ihrer Züge wieder einmal ausgefallen ist,
    meine Tochter nachts am Bahnhof in Aalen oder Ellwangen gestanden hat 
    und ich sie, obwohl sie ein gültiges Ticket hatte, mit dem Auto abgeholt habe.

     Ich erwarte umgekehrt, dass meine 15-jährige Tochter von ihren Zugbegleitern
     nicht angebrüllt und beleidigt wird, wenn sie merkt, dass sie ihre Monatsfahrkarte 
     vergessen hat und der Zug ausnahmsweise mal pünktlich fahren würde. Einem
     Unternehmen, das im letzten Jahr so viel Mist gebaut hat wie das Ihre, stünde
     ein wenig Freundlichkeit gut zu Gesicht. Wir sind nämlich noch Ihre Kunden.

    mit freundlichen grüßen,

       franz lemmermeyer

Ich habe natürlich nicht erwartet, dass sich go-ahead entschuldigt. Nicht erwartet habe ich aber auch eine Antwort wie diese:

      Sehr geehrte(r) Frau (Herr) hb3@ix.urz.[...].de, 

      [ . . . ]

     Sonja (KB) Alzner  
     Kundenbetreuer

Einen Pluspunkt gibt es für das nicht gegenderte Kundenbetreuer, aber der Rest zeugt einmal mehr von Inkompetenz beim Kerngeschäft von go-ahead, nämlich der Betreuung von Kunden. Wenn ich mit meinem Namen unterschreibe, dann empfinde ich es als unverschämt, wenn man mich mit  Frau (Herr) hb3@ix.urz.[...].de anredet. Sicher, die Firma hatte Schwierigkeiten, ihr Personal zu schulen:

     Beim Einsatz ab 9. Juni 2019 ergaben sich aber zahlreiche      
     technische Probleme; zudem war die Zeit zu kurz gewesen, um 
     ausreichend Personal zu schulen, so dass Verspätungen und  
     Zugausfälle sich häuften. Einzelne Leistungen wurden von DB 
     Regio übernommen, andere fielen dauerhaft aus. Mit einer 
     Stabilisierung ist erst im Oktober 2019 zu rechen.

Wikipedia hat jedenfalls recht (außer mit der Orthographie): im Oktober 2019 haben sich die Verhältnisse stabilisiert. Die Kunden wissen jetzt, woran sie sind: Wer ein Ticket bei go-ahead kauft, sollte Harry schon mal den Wagen vorfahren lassen.

Vorgestern stand am hiesigen Bahnhof auf der Anzeigetafel 10 Minuten vor der Abfahrt zu lesen: "Der Zug nach Crailsheim fährt heute pünktlich". So eine Meldung ist wichtig, damit die Kunden nicht vor Schreck in Ohnmacht fallen, wenn ein Zug, der um 18:00 einfahren soll, um 18:00 einfährt. 5 Minuten später wurde die frohe Botschaft allerdings korrgiert: "Der Zug nach Crailsheim hat 20 Minuten Verspätung". 

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