Dienstag, 11. Mai 2021

Bildungsexperten und Bildungsexpertinnen

 Die deutsche Kultusministerkonferenz legt sich eine ständige "wissenschaftliche" Kommission zu, die sie künftig "wissenschaftlich" beraten soll. Zusammengestellt hat sie der ehemalige Soziologie-Student und PISA-Experte Manfred Prenzel, und unter seinen auserwählten Expert_innen und Expert_außen sind 

  • ehemalige Lehramtsstudenten, die nie unterrichtet haben, nämlich Isabell von Ackeren,  Michael Becker-Mrotzek und Thilo Kleickmann, sowie die die unerträgliche Susanne Prediger;
  • ehemalige Psychologie-Studenten, nämlich  Olaf Köller´(der aus mir unbekannten Gründen inzwischen *der* Fachmann für Bildung in D ist) und Ulrike Kress,
  • Studenten der Sonderpädagogik (Birgit Lütje-Klose), Wirtschaftspädagogik (Susan Seeber) oder sogar Maschinenbau und Betriebspädagogik (Birgit Ziegler)
  • ehemalige Soziologiestudenten Yvonne Anders, Claudia Diehl und Felicitas Thiel.

Vorbei die Zeiten, als man mit einem Studium der Soziologie und der Kompetenz, den Satz "Möchten Sie Pommes dazu?" zu sagen, einen Job angeboten bekam. Heute lässt man Leute, die nichts rechtes studiert haben, die kümmerlichen Reste unseres Bildungssystems vollends ruinieren. Was genau, bitteschön, qualifiziert diese bildungstechnische Freakshow zu diesem Job? Ich will es gar nicht wissen.


P.S. Herr Kühnel kritisiert die Kommission mit etwas gewählteren Worten hier

9 Kommentare:

  1. Sie wollen es nicht wissen, aber Sie wissen es: Dunning-Kruger.
    DAS ist die Pandemie, die unsere Gesellschaft lahmlegt.

    Wie wichtig mathematisches Schließen ist, sei an folgender Episode festgehalten:

    Irgendeine "Aktivistin" machte unlängst bei irgendeiner Plaudertante im Fernseh wieder ausgiebig Gebrauch von Anschuldigungen des "Antisemitismus", gerne auch "rassistischen Antisemtitsmus" gegenüber dem Herrn Maaßen.

    Belege: Fehlanzeige.

    Tags drauf in Zeit und Spiegel, natürlich haben sich alle der gleichen "wissenschaftlichen Quelle" bedient:

    "Maaßen bedient sich sprachlicher Codes, die in der rechten Szene verwendet werden. Insbesondere zu nennen ist die Vokabel 'Globalisten'.
    Damit sind raffgierige, rücksichtslose Banker, Fonds und Heuschrecken gemeint. Damit kann er nur das meinen, was die Nazis früher als 'Weltjudentum' bezeichnet haben".

    Daß jetzt nicht Maaßen, sondern der "Wissenschaftler" die Heuschrecken unmittelbar mit jüdischer Tradition assoziiert, FÄLLT KEINEM MEHR AUF !


    Ihre Anspielung auf den Witz, "Was sagt ein arbeitsloser Sozialpädagoge zu einem Kollegen, der eine Arbeit hat ? -- Einmal Pommes rot-weiß bitte" wird heute keiner mehr verstehen.

    Denn die Akademenz hat es peu-à-peu geschafft, in alle Ritzen zu kriechen.

    Neulich, im Zug, erzählte mir jemand, der mit dem BER und der Statik des Daches zu tun hatte:

    "Früher war das kein Problem mit den 'Entscheidungsträgern', in der ersten halben Stunde einer Projektbesprechung wollten sich immer einige Jungspunde profilieren, denen konnte man fachlich entgegentreten und so waren sie alsbald ruhig.
    Aber heute haben Sie auch 'engagierte' Weiber dort sitzen, Politologinnen, Soziologinnen, Diplom-Romanistikerinnen ...
    Die wollen sich "einbringen".
    Die hören auch nicht auf, die sind keinem Argument zugänglich, die haben auch keine Scham, sich abgrundtief mit ihrem Nichtwissen zu blamieren, weil ihnen die Kompetenz fehlt, ihre Inkompetenz zu erkennen".

    Eine Diplom-Psychologin würde jetzt sagen, "rassistisch, antifeministisch und unterkomplex", ich würde sagen: Punktlandung.

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  2. Ich kenne die genannten Personen nicht. Aber warum generalisieren Sie so stark ("die nichts rechtes studiert haben") und wettern hier gegen einige Wissenschaften (Psychologie, Soziologie und Maschinenbau)? Wieso sollen andere Studienfächer (Mathematik?) sinnvoller sein als diese?

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    1. Um Bildung zu beurteilen und zu planen? Da stelle ich keine Leute ein, die intellektuell über das Erstellen von multiple-choice-Tests nicht hinausgekommen sind. Wo sind denn die Lehrer in diesem Gremium? Oder die Fachwissenschaftler? Oder überhaupt irgendjemand, der von der Praxis der Weitergabe von Bildung nicht Lichtjahre weit entfernt ist? Ich habe nichts gegen Soziologen oder Psychologen. Aber was um alles in der Welt macht diese Leute zu Fachleuten, wenn es um die Beratung der KMK geht?

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  3. Lieber Herr Lemmermeyer,

    Es ist leider noch schlimmer und immer mehr der Krägen platzen. Hier machte ich mir vorübergehend Luft:
    https://www.youtube.com/watch?v=uTIspbXgZgM

    Viele Grüße

    Bernhard Krötz

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    1. So wahnsinnig toll ist die Aufgabe nicht, aber solche Aufgaben mit sinnlosen Kontext gibt es aber von der Grundschule bis zum Hochschulbereich. (Da gibts dann z.B. eine Werbetafel aus einem quadratischen Stück Segeltuch und eine durch Differentialgleichungen beschriebene Verformung der Tafel in einem Sturm.) Sie machen aber eher nur einen eher geringen Bruchteil des Mathematikunterrichts aus.

      Für viel gefährlicher halte ich es aber, wenn man sich als Mathematiker ständig über Mathematikdidaktiker lustig macht, ihre Berechtigung in Frage gestellt wird und sie somit die (teilweise durchaus gerechtfertigte) Kritik (verständlicherweise) nicht ernst nehmen.

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    2. Ich mache mich nicht als Mathematiker über die Didaktiker lustig, sondern als Lehrer, und auch nicht über alle, sondern über alle bis auf eine Handvoll. Von diesen Kaspern hat die "Elite" der Didaktoren und Bildungsforschern (damit meine ich diejenigen, die über Veröffentlichungslisten verfügen, die gefühlte 2 Meter lang sind) das Schulfach Mathematik grundlegend ruiniert. Der Rest der Didaktiker, die, das gestehe ich ihnen zu, vermutlich ordentliche Arbeit machen, haben das schweigend hingenommen. Mitgehangen, mitgefangen.

      Auch die Mathematiker, die sich öffentlich über Didaktiker lustig machen, kann man an einer Hand abzählen. Alle anderen haben geschwiegen, als das fachliche Niveau der Didaktik in diesem Jahrtausend in den Keller gerauscht sind. Hinter vorgehaltener Hand geben Sie höchstens zu, dass sie im Gegensatz zu früher keine Vorträge von Didaktikern mehr besuchen, weil die inzwischen komplett mathematikfrei sind.

      Und Kritik nehmen Didaktiker ohnehin nicht ernst. Lesen Sie mal die Antworten auf meinen Artikel zur Schneeschmelze oder die Rezension von Mathe.Delta. Selbst die Kritik von Didaktikern (Kaenders und Weiss) hat von denen niemand ernst (womöglich nicht einmal zur Kenntnis) genommen. Bildungsforscher, das habe ich von denen mehr als einmal gehört, sind im Besitz der wissenschaftlichen Wahrheit, während wir Lehrer nur über Einzelbeobachtungen verfügen, die keinerlei wissenschaftlichen Nährwert haben.

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  4. Die armen (hochbezahlten) Mathematikdidaktiker können einem wirklich leid tun.

    Da werden sie bzw. die Konsequenzen ihres Tuns ohne bemerkbare Resonsanz zunächst sachlich kritisiert, zum Beispiel von: 1.) Cramer/Walcher/Wittich (RWTH Aachen), "Studierfähigkeit im Fach Mathematik", 2.) Thomas Sonar: "Der langsame Tod der Analysis", 3.) Erich Wittmann, "Von allen guten Geistern verlassen: Fehlentwicklungen des Bildungssystems am Beispiel Mathematik".

    Und dann werden sie auch noch von einem einsamen Blogger aus Baden-Württemberg durch den Kakao gezogen -- ständig! Daraufhin heißt es: "Haltet den Dieb!"

    Die Satire ist eine zulässige Form der Kritik. Anders kann man mit den Werken so manchen Mathematikdidaktikers gar nicht mehr umgehen. Was daran gefährlich ist, vermag ich nicht zu erkennen. Ich wundere mich umgekehrt manchmal über die Durchhaltekraft, mit der manch einer unermüdlich die Leistungen jener Didaktoren (ups, das war lustig-unsachlich-treffend -- danke für dieses Wort, Franz!) in Frage stellt.

    Ich als einsamer Blogger aus NRW habe längst aufgegeben, was das angeht, und widme mich lieber der Asbestbelastung von Bergheimer Schulen und Sporthallen. Bringt aber auch nichts...

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  5. Interessant, der von Ihnen zitierte Herr Wittmann stammt selbst aus der Didaktk, was zeigt, dass es "den Didaktiker" nicht gibt. Interessant finde ich, dass ich von den Modellierungsaufgaben zu meiner Schulzeit (Abitur 2011) noch nichts mitbekommen habe, in Bundesländern mit Zentralabitur waren sie aber wohl auch da schon stellenweise üblich.

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  6. Dieter Osterholz11. Juni 2021 um 17:22

    Natürlich gab und gibt es auch Leute, die Fachwissen und didaktische Überlegungen unter einen Hut bringen, mir fallen da Felix Klein (1849 - 1925), Herbert Meschkowski (1909 – 1990), Günter Pickert (1917 – 2015), Arthur Engel (*1928) oder eben Erich Wittmann (*1939) ein. Daß Wittmann aus der Didaktik stammt, kann man so wohl nicht sagen, er hat bei Specht promoviert. Die Herren Lambacher und Schweizer gehören auch in diese Reihe.
    Meinem Eindruck nach hat das ganze Desaster begonnen mit der Eingliederung der PHs in die Unis. Im Zusammenhang mit dem Bologna-Prozeß hat es dann die grotesken Züge angenommen, von denen hier und auf den verlinkten Seiten immer wieder berichtet wird.

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