Dienstag, 4. Dezember 2018

Mathematik handlungsorientiert

Hamburg, so war jüngst zu lesen, hat eine Expertenkommission eingesetzt, um den Lehrern klar zu machen, wie guter Mathematikunterricht funktioniert. Die Experten waren dieselben, die Hamburg und den Rest der Republik dahin gebracht haben, wo Deutschland heute bildungspolitisch steht: Erziehungswissenschaftler, in diesem Fall geleitet vom Psychologen Olaf Köller vom IPN in Kiel, seines Zeichens Gründungsdirektor des IQB, das uns ab 2019 Abiaufgaben in Mathematik unterschiebt, bei denen die Abiturienten zeigen sollen, dass sie Daten aus Diagrammen und Schaubildern ablesen können.   Warum diese Expertenkommission sich erdreistet, den Hamburger Lehrern mehr Fortbildungen zu verschreiben, obwohl diese in Sachen Fortbildungen bereits einen Spitzenplatz unter den Ländern haben, mag verstehen wer will. Letztendlich geht es wohl nicht um den Schulerfolg der Hamburger Schüler, sondern um das Absichern der Pfründe der Didaktiker, die diese Fortbildungen steuern.

Der Tagesspiegel bringt es in seinem Artikel auch noch fertig, fake news über die Antwort auf den Brandbrief zu verbreiten: anstatt zu schreiben, die 50 Personen, die den Gegenbrief unterzeichnet haben, seien durch die Bank Didaktiker gewesen, wird hier das Märchen erzählt, er sei von "Mathematikverbänden" getragen worden. Dass sich die Didaktikverbände MNU und GDU hinter die Gegenseite gestellt haben, liegt daran, dass sie das Debakel mitzuverantworten haben. In der DMV dagegen ist zumindest ansatzweise eine Diskussion in Gang gekommen, die allerdings etwas darunter leidet, dass auch diese von einer Didaktikerin geleitet wurde.

Ebenfalls unlängst bin ich auf eine ganz große Sammlung von Mathematikaufgaben gestoßen, die es, was Lügen und fake news betrifft, locker mit Münchhausens gesammelten Werkten aufnehmen kann.

      1. Eine Amateuraufnahme vom Einwerfen der Diskuswerfer 
          bei den Olympischen Spielen in London zeigt angeblich 
          einen Weltrekordwurf des deutschen Werfers Robert Harting.
          Technikern ist es gelungen, drei Punkte der parabelförmigen 
          Flugkurve dieses Wurfes zu extrahieren  [ . . . ] Analysieren 
          Sie die Flugkurve des Hammers von Robert Harting

Dass ein Diskus kein Hammer ist - geschenkt. Gravierender ist die Tatsache, dass die Geschichte von vorn bis hinten erlogen ist, aber auch daran hat man sich inzwischen ja gewöhnt. Dass aber auch die Physik einmal mehr außer Kraft gesetzt wird, ist schon ärgerlich. Wenn man einen Diskus weit werfen will, macht man das wie bei einem Frisbee, um für Auftrieb zu sorgen. Wenn die Flugbahn eine Parabel ist, hat man, wie man in den USA vor 20 Jahren gesagt hätte,  geworfen wie ein Mädchen.

        2. Nachdem bei den Olympischen Spielen in London beim 
            Hammerwurf Wettbewerb der Damen die Weitenmessung 
            versagte, analysierten Wissenschaftler der Sporthochschule 
            in Köln den Wurf von Betty Heidler, [ . . . ]

Auch hier kann jeder, der schon einmal was von google gehört hat, nachprüfen, dass die Geschichte ein wahres Senfkörnchen enthält,  insofern es bei dem Wurf Probleme gegeben hat. Aber weder hat die Weitenmessung versagt, noch haben Wissenschaftler der Sporthochschule den Wurf analysiert. Und wenn sie das getan hätten und eine perfekte Parabelbahn herausgekommen wäre, würde man als Wissenschaftler nicht den Schluss ziehen, dass  Frau Heidler die Bronzemedaille gewonnen hat, sondern dass London auf dem Mond liegt.

         3. Sportwissenschaftler stellten kürzlich folgende These auf:
            „Je höher der höchste Punkt der Flugkurve der Kugel beim 
            Kugelstoßen ist, desto weiter fliegt die Kugel.“

Was für eine bescheuerte These. Dass die mit der Realität wenig zu tun haben kann, sieht man schon daran, dass die meisten Kugelstoßer die Kugel nicht senkrecht nach oben werfen, wenn sie eine Medaille gewinnen wollen.

         4. Der Benzinverbrauch eines Mittelklassewagens ist 
             abhängig von seiner Geschwindigkeit.

Das ist wohl wahr. Was nicht daraus folgt, Frau Bast, ist dass der Benzinverbrauch damit eine Funktion der Geschwindigkeit ist. Vielmehr hängt er auch davon ab, in welchem Gang man fährt, wieviel man geladen hat, ob es bergauf oder bergab geht oder ob der Wind von vorne oder von hinten bläst. Sehr gefallen hat mir der Arbeitsauftrag zur dritten (!) Benzinverbrauchsaufgabe:

      Geben Sie eine mathematisch fundierte Empfehlung für 
      eine besonders umweltschonende Fahrweise ab.

Zum Mitschreiben: Sie, Frau Bast,  saugen sich eine Funktion aus den Fingern, und ich soll daraus Empfehlungen für die Fahrweise ableiten? Für die Frechheit, dass die Empfehlung "mathematisch fundiert" sein soll, bekommen Sie von mir höchstens eine Bemerkung über Frauen am Steuer.

          5. Durch Auswertung von Messungen der Ariane 4 Rakete
              wurde festgestellt, dass sich der Zusammenhang zwischen
              der Zeit (in Sekunden) der Höhe der Rakete über dem 
              Startplatz (in Metern) bis zum Verlassen der 
              Erdatmosphäre durch eine quadratische Funktion 
              beschreiben lässt.

Schön, dass in der Natur so viele quadratische Funktionen vorkommen - Mathematik ist überall. Eine quadratische Abhängigkeit liegt bei konstanter Beschleunigung vor; bei gleichbleibender Leistung und abnehmender Masse ist das aber nicht der Fall. Dass Raketen mehrstufig sind, hat sich anscheinend auch noch nicht herumgesprochen.

An dieser Stelle habe ich die Lektüre aufgegeben. Ich kann diesen Scheißdreck nicht mehr ertragen. Besserer Mathematikunterricht in Hamburg? Damit? Oder so:

      In Mittel- und Oberstufe sollen schriftliche und mündliche
      Leistungen zudem künftig gleich gewichtet werden.

Damit haben dann alle, die bei solchen handlungsorientierten "Mathematik"-Aufgaben vor Scham in den Boden versinken möchten, automatisch eine schlechte Note. Man muss schon ein sehr großer Experte zu sein, um zu meinen, das würde den Mathematikunterricht verbessern. Vermutlich wäre uns mehr geholfen, wenn man den gelben Westen eine Zugfahrt von Paris nach Kiel bezahlen würde.

Nachtrag 04.12.: Die Liste der Vorschläge und die Namen der "Experten".  Darunter Prof. Dr. Regina Bruder,  Prof. Dr. Gabriele Kaiser, Prof. Dr. Susanne Prediger. Kann man da noch sagen, dass man den Bock zum Gärtner gemacht hat, oder brauchen wir hier ein gegendertes neues Sprichwort?

Sonntag, 25. November 2018

Noch eine realitätsbezogene Aufgabe . . .

Aufgaben aus der Lebenswelt der Schüler  haben den Mathematikunterricht revolutioniert; fehlende Motivation ist dank der vorzüglichen Arbeit unserer Didaktiker ein Phänomen der Vergangenheit. Die realitätsnahe Aufgabe, auf die ich heute zurückkomme und die aus dem Lambacher-Schweizer (Kursstufe BW (2009), S.151) stammt, habe ich schon hier verwurstet:



Dass hier Energie und Leistung velwechsert wurde, und dass dieselbe bei einer Geschwindigkeit von 2 m/s relativ zum Wasser unendlich groß wird, beweist eindrucksvoll, dass die Lehrbuchautoren beim Anwendungsbezug sämtliche physikalischen Gesetze außer Kraft setzen können, und zwar problemlos. Wenn diese Aufgabe realitätsnah ist, dann nur in einem Universum, in dem die Lichtgeschwindigkeit 2 m/s beträgt; wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich die ganze Didaktik gerne in diese Realität versetzen - das wäre nun wirklich einmal win-win.

Was mich seit meiner ersten Beschäftigung mit dieser Aufgabe nicht losgelassen hat war die Frage, wie jemand sich eine so offensichtlich bescheuerte Aufgabe ausdenken kann. Tatsächlich stammt die Aufgabe aus dem Buch Mathematik für Biowissenschaftler von Adolf Riede, wobei "stammt von" nicht ganz wahrheitsgetreu ist, wovon man sich leicht überzeugt, wenn man dort in Abschnitt 9.5.6 schaut: dort geht es um einen Fisch, der mit der Geschwindigkeit v flussaufwärts von A nach B schwimmt. Weil der Widerstand proportional zu vr für eine Konstante r, die zwischen 2 und 3 liegt, ist der Energieverbrauch gegeben durch den Ausdruck E = c vr für eine (von r abhängige) Konstante c. Ist w die Geschwindigkeit des Wassers, braucht der Fisch für die Strecke s von A nach B die Zeit t = s/(v-w), und damit ist der Energieverbrauch gegeben durch E = csvr /(v-w).

Das, Herr Blum, Herr Greefrath und Frau Kaiser, nennt man eine Modellierung. Was Sie daraus gemacht haben, ist eine Perversion einer wissenschaftlichen Methode. Jedenfalls, was unser Universum betrifft.

Wenn man von Riedes Beispiel die ganze Physik weglässt, die man als heutiger Schulbuchautor nicht mehr versteht, und wenn man dann als Autor noch zu doof zum Abschreiben ist, dann kann es sein, dass eine derart pervertierte Aufgabe im Lambacher-Schweizer landet.     

Was auch noch auffällt: zwar werden auf S. 459 einige Textquellen genannt, aus denen die Autoren des LS Aufgaben entnommen haben, und selbst die Erklärungen für die Stichwörter "Euphemismus" und "Wachstum" mussten die Autoren bei wikipedia abschreiben, eine Quelle für die Fischaufgabe wird allerdings nicht genannt. Wenn das Schüler (für die Genderista; SuSen) machen, nennt man das Plagiat.

Dienstag, 6. November 2018

Wozu ist das gut?

Die Frage nach dem Sinn des Mathematikunterrichts ist nicht neu; allerdings haben die Antworten, welche die Didaktik seit den 1990er Jahren gegeben hat (Heymann vor allem), den Mathematikunterricht an Gymnasien in einem Ausmaß pervertiert, wie man sich das vor 30 Jahren nicht hat vorstellen können. Ich muss daher, wenn ich heute eine Antwort auf diese Frage gebe, nicht fürchten, dass das negative Auswirkungen auf den heutigen Mathematikunterricht haben könnte - dazu fehlt mir der Einfluss und dem  Lehrplan Niveau.

Zu Beginn werfe ich einen Blick zurück auf die Anfänge der Mathematik, soweit sie uns bekannt sind. Warum haben die Babylonier (genauer deren Vorgänger, die Sumerer) begonnen, Mathematik zu treiben und zu unterrichten? Weil sie auf Tontafeln geschrieben haben, von denen Tausende, die sich mit Mathematik befassen, zumindest teilweise erhalten sind, wissen wir relativ gut darüber Bescheid, womit sie ihre Schreiberlehrlinge gequält haben.

Unter den Aufgaben sind viele Teil-Probleme, bei denen etwa ein Erbe unter Brüdern "gerecht" aufgeteilt werden sollte, also etwa so, dass jeder Bruder denselben Betrag mehr bekommt als der nächstjüngere. Dazu muss man mit linearen Gleichungen umgehen lernen. Weil neben Geldbeträgen (also im wesentlichen Silber) auch Felder vererbt wurden, hat man sich auch mit der Teilung von Feldern bzw. der Bestimmung des Flächeninhalts von Drei- und Vierecken befasst. Viele solcher Aufgaben benutzen etwas, was wir den Strahlensatz nennen, und Probleme, bei denen der Satz des Pythagoras anzuwenden ist, führen regelmäßig auf quadratische Gleichungen. Auch das Leihen von Geld und Zins nebst Zinseszins musste, damit eine Gesellschaft funktioniert, berechnet werden können. Wieviel Erde muss bewegt werden, um eine Rampe an eine Mauer zu bauen oder einen Graben auszuheben, wie viele Arbeiter brauchte man dafür, und wieviel Brot, Bier und Silber benötigt man, um diese zu bezahlen?

Relativ schnell hat der Unterricht aber auch Aufgaben hervorgebracht, die mit der Organisation der Gesellschaft wenig bis nichts zu tun hatten: Wenn man ein Korn Getreide jeden Tag verdoppelt, wie viel hat man nach einem Monat? Welche Zahl erhält man, wenn man eine Zahl (etwa 9) 46 mal mit sich selbst multipliziert? Wie groß ist die Fläche eines Felds, das 1 km lang und 1 mm breit ist?

Wie sieht die Sache heute aus? Selbstverständlich führt kein Weg an dem vorbei, was man unter bürgerlichem Rechnen versteht; dies unterscheidet sich inhaltlich wenig von dem, was bereits die Babylonier machten.

Für die Gesellschaft als solche noch wichtiger als diese "Trivialitäten" erscheint mir etwas anderes. Ist unsere Gesellschaftsordnung gerecht? Warum sind Pensionen üppiger als Renten? Warum müssen gesetzlich Versicherte länger als privat Versicherte auf einen Arzttermin warten? Warum funktioniert die Mietpreisbremse nicht? Dahinter stecken Gesetze, solche die man gemacht hat und solche, die man nicht gemacht hat. Dass sich Renten anders entwickeln als Pensionen liegt auch daran, nach welchen Formeln die jeweiligen Erhöhungen berechnet werden.
Dass gesetzlich und private Versicherte anders behandelt werden liegt daran, dass Ärzte bei ihren Behandlungen unterschiedlich bezahlt werden. Dahinter steckt Mathematik, und wer die nicht versteht, ist darauf angewiesen, das zu glauben, was einem die Lobbyisten (Ärzteverband, Krankenkassen usw.) vorrechnen.

Für solche Aufgaben sind 7 Jahre, wie sie Heymann vorgeschwebt haben, eben nicht genug. Dazu reicht es auch nicht, wenn man weiß, wie man die Summe zweier Brüche in den Taschenrechner oder eine Funktion in den GTR eintippt. Hier muss man "denken lernen", also mit Voraussetzungen und Folgerungen umzugehen lernen.

Ein anderes modernes Problem sind Daten und Algorithmen. Den meisten Leuten ist nicht klar, wie gefährlich das Sammeln von Daten und deren Auswertungen sind. Ein Blick in die USA lohnt sich auch hier. Dort ist es bereits heute so, dass manche Kündigungen (etwa von Lehrern, deren Schüler bei Tests schlecht abschneiden, weil der Vorgänger beim Vorgängertest geschummelt hat) von Algorithmen ausgesprochen werden, oder dass Tarife bei Versicherungen zu 100% von einer Maschine berechnet werden, ohne dass ein Mensch darauf überhaupt noch Einfluss nehmen kann. Auch dahinter steckt natürlich Mathematik, aber deswegen sind die Entscheidungen der Maschine natürlich noch nicht gerecht. Welche Macht hat der, der den Algorithmus entwickelt hat? Wodurch ist diese Macht legitimiert? Das kann man kaum auf der Schule machen, aber wenn man im Studium die Mathematik lernen muss, die einem die Schule nicht mehr vermitteln kann, bleiben für solche Fragen wenig Zeit.

Eine ganz andere Antwort auf die Sinnfrage der Mathematik ist natürlich die des Wissenschaftlers: Schon Galilei hat bemerkt, dass das Buch der Natur in der Sprache der Mathematik geschrieben ist. Ohne Mathematik gibt es kein Newtonsches Gravitationsgesetz und erst recht keine Einsteinsche Relativitätstheorie, keine Quantentheorie  (und eben auch keinen Kernspintomographen oder sichere Webseiten, auf denen man Bestellungen tätigen oder bezahlen kann).  Und dann wäre da noch die Antwort des Mathematikers, der die Mathematik faszinierend und schön findet, wobei ihm klar ist, dass diese Schönheit Nichtmathematikern ähnlich zugänglich ist wie die Schönheit von Beethovens 5. Sinfonie einem Tauben, der die Partitur vor sich hat.

Welchen Sinn hat nun der Mathematikunterricht? Im heutigen Zustand praktisch kaum einen - der Anwendungsfetischismus, den uns die Didaktik (Blum, Kaiser, Barzel, Reiss, Kaiser, Elschenbroich, Herget, Greefrath, Leuders und die ganze Bagage) seit PISA beschert hat, hat die Schulmathematik fürchterlich verunstaltet.  Die Inhalte sind inzwischen so weit ausgedünnt, dass es kaum mehr Zusammenhänge gibt, die Schüler verstehen könnten. Man hat versucht, den Unterricht so zu gestalten, dass den Schülern möglichst alle Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt werden. Das kann nicht das Ziel eines guten Unterrichts sein; ein solcher muss den Schülern zeigen, wie man mit Schwierigkeiten umgeht. Und die Dinge, die Schülern Probleme bereitet haben, sind inzwischen weg: geometrische Beweise, vollständige Induktion, Definitionen, Ungleichungen, Grenzwerte usw. wurden nach und nach entsorgt, um die Abiturientenquote auf 50 % eines Jahrgangs zu heben. Natürlich waren diese Dinge schwer. Genau deswegen hat man sie ja unterrichtet. Heute müssen auch die guten Schüler das glauben, was der Lehrer ihnen sagt. Warum sollten solche Schüler mit 23 Jahren mit dem Denken beginnen?

Freitag, 2. November 2018

Frauenpower

     Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette 
       Widmann-Mauz  [ . . . ], will mit Verbänden und Organisationen 
       künftig nur noch dann Gespräche führen, wenn diese dabei auch 
       von mindestens einer Frau  vertreten werden.

So kann man es im Spiegel  und anderswo lesen.

     Treffen nur mit männlichen Vertretern wird es nicht mehr geben, 
     sagte Widmann-Mauz der "Bild"-Zeitung. "Wir brauchen mehr 
     Frauenpower", betonte sie.

Gleichberechtigung, wie man sie früher einmal verstanden hat, bedeutete, dass man wegen seines Geschlechts keine Vor- oder Nachteile bekommt und gleiche Rechte besitzt. Heute bedeutet Gleichberechtigung, dass man einfach Pech hat, wenn man ein Mann ist. Dumm für diejenigen, die das alles der  links-rot-grünen Gleichmachereipolitik zuschreiben wollen, ist das Parteibuch von Frau Widmann-Mauz: die ist nämlich von der CDU.

       "Die Physik wurde von Männern erfunden und aufgebaut": Ein Physiker
       am weltweit größten Forschungszentrum für Teilchenphysik hat sich
       diffamierend über Frauen geäußert. Das hat Konsequenzen.
     
Auch das war vor einigen Wochen im Spiegel zu lesen gewesen. Die Konsequenzen waren seine Suspendierung. Anscheinend war dem Physiker entgangen, dass nach jüngsten Forschungen von Inhabern der Lehrstühle für Physik und Gender die Theorien der Schwerkraft, die Relativitätstheorie und die Quantenmechanik in Wirklichkeit auf Frau Newton, Frau Einstein, Frau Heisenberg, Frau Schrödinger und Frau Feynman  zurückgehen. Hier eröffnet sich Frau Widmann-Maunz noch ein weites Betätigungsfeld: Arbeiten zu Physik (und, wo wir gerade dabei sind, zu Mathematik und anderen harten Wissenschaften) dürfen nur noch gelesen und von Bibliotheken aufbewahrt werden, wenn mindestens eine Frau gleichberechtigte Koautorin ist. Auch die Fußball-Bundesliga ist eine frauenrechtlich dubiose Veranstaltung, und es kann ja nicht sein, dass dort in Mannschaften 11 Männer mitspielen - man kann die Vereine problemlos dazu verpflichten, künftig mindestens 6 Frauen aufstellen zu müssen. Dem Spiel des VfB wird es womöglich nicht einmal schaden. In einem zweiten Schritt könnte dann die Abschaffung des aktiven und passiven Wahlrechts für alle Männer stehen. Vorher wird es mit dem Paradies der Gleichberechtigung vermutlich ohnehin nichts. 

Nachtrag 12.11.: Heute steht in der Zeitung, dass Justizministerin Katarina Barley (SPD) das Wahlrecht ändern will, um den Frauenanteil im Bundestag zu erhöhen.

Nachtrag 20.11.: Alisha Matthewson-Grand beklagt im Guardian beklagt das Fehlen von Frauen im Schach und fragt, was man da machen könne. Es folgen die üblichen Verdächtigen (Männer werden im Fernsehen bevorzugt, die Vorbilder Fischer, Kasparov und Carlsen sind männlich usw.). Von allen Kommentaren (meist von Männern) hat mir einer außerordentlich gut gefallen, weil er die Antwort, was man als Frau machen könne, um die männderdominierte Schachwelt zu "normalisieren", auf den Punkt bringt:  Üben!  

Donnerstag, 18. Oktober 2018

Schlaue Leute

Doch. Die gibt es auch noch.

Einer der schlauen ist Cedric Villani. Der bekam 2010 die Fields-Medaille, unter anderem für seine Arbeiten zur Boltzmann-Gleichung. 2017 ist er in das Französische Nationalparlament gewählt worden, und Macron machte ihn zum Vorsitzenden einer Kommission, die ihn in Bildungsfragen beraten sollte. Im Februar 2018 hat er einen Bericht vorgelegt mit dem Titel "21 Maßnahmen für den Mathematikunterricht".

Schon der erste Satz unterscheidet sich von dem, was man von deutschen Berichten zu hören gewohnt ist, dass man auf einem guten Weg sei und unsere Kinder immer intelligenter und kompetenter werden und Deutschland im PISA-Test an Tadschikistan vorbeigezogen ist:

      Katastrophale Resultate.

      Seit einem Dutzend von Jahren werden die Ergebnisse unserer
      Schüler in Mathematik immer schlechter, einschließlich der
      besten unter ihnen. [. . . ] Die Aufgabe, 35,2 mit 100 zu
      multiplizieren, stellt für die Hälfte aller Grundschulabgänger
      eine große Hürde dar. 

Wie man sehen kann, klagt Frankreich auf hohem Niveau.
Sie machen besseren Mathematikunterricht als wir, spielen besser Fußball, und haben den besseren Wein und den besseren Käse. Wenn sie jetzt auch noch besseres Bier brauen als die Franken, wandere ich aus.

Unter den 21 Vorschlägen sind die folgenden zwei durch die neuesten didaktischen Forschungen aus Deutschland natürlich bereits widerlegt, aber ich erwähne sie trotzdem:

     11. Zahlensinn und Operationen

      Den Sinn der vier Grundrechenarten ab Klasse 1 pflegen.
      Der effektive Unterricht von Größen und Maßen in der
      Grundschule wird den Zahlensinn und die Grundrechenarten
      unterstützen.

      12.   Automatismen    

      Automatismen beim Rechnen in jeder altersstufe entwickeln,
       durch rituelle Praktiken (Wiederholung, Kopfrechnen, 
       geschicktes Rechnen) , um das Abspeichern im Gedächtnis
       zu unterstützen und den Geist der Schüler beim Lösen
       motivierender Probleme zu befreien.

Französisch klingt das natürlich besser als in holprigem Deutsch, aber man sieht auch so, dass Fields-Medaillist Villani kein Freund der didaktischen Weisheit ist, dass man, um ein guter Mathematiker zu werden, schlecht rechnen können muss.

     20. Lehrbücher 

      Die Lehrbücher werden von einem wissenschaftlichen 
      Komitee untersucht und nach ihrer Qualität [ . . . ] geordnet.

Strenggenommen hat Villani das Wort Qualität an dieser Stelle gar nicht benutzt, sondern nur gesagt, dass für die Lehrbücher ein Ranking erstellt werden soll. Für deutsche Lehrbücher wäre das relativ einfach: da würde auf den ersten 1000 Plätzen gar kein Buch stehen.

     21. Datenbank von Ressourcen

      Ein Online-Portal mit Ressourcen  für die Mathematik [ . . . }
      versehen [. . . ].

So geht digital, Frau Wanka, Frau Karliczek und Frau Bär !

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Dumme Leute II

Heute geht es um Stefan Räpple, seines Zeichens Landtagsabgeordneter der AfD, oder, wie er sich selbst bezeichnet, Landtagsabgeordneter der Ortenau. Nach seinem Abitur hat er an der PH Freiburg Lehramt für Mathematik (!), Geographie und Geschichte an Haupt- und Realschulen studiert. Das Studium hat er nach eigenen Worten abgebrochen, weil er die dort vermittelten Inhalte nicht mittragen konnte. Leider hat er nicht gesagt, ob der Satz des Pythagoras oder die Oder-Neiße Linie zum Mittragen zu schwer war,  Sei es wie es ist,  danach ist Herr Räpple auf Hypnoanalytiker umgestiegen und hat inzwischen eine Hypnose-Praxis in Freiburg.

Dieser Herr Räpple hat vor ein paar Tagen eine Webseite freigeschaltet, auf der Schüler ihre Lehrer denunzieren können, falls diese sich als Hetzer gegen die AfD betätigt haben sollten. So viel Dummheit nötigt mir einen gewissen Respekt ab, schließlich sollte man meinen, dass die meisten Deutschen von Gestapo und Stasi die Schnauze voll haben.

Sei es, wie es ist; nach Bekanntwerden der Seite habe ich mich gleich selbst denunziert und feierlich gelobt, gegen die AfD künftig noch viel öfter als bisher zu hetzen (ich habe das, wenn ich ehrlich bin, in den letzten Jahren etwas vernachlässigt).

Erstaunlicherweise werden die Schüler dort aufgefordert, "Beweise" für das Hetzen ihrer Lehrer hochzuladen. Aber aber, Meister Räpple: Das ist ein Aufruf zu einer Straftat, weil das  Aufnehmen ohne Einwilligung des betroffenen Lehrers nach § 201 StGB  nicht erlaubt ist und mit Geldstrafen oder Haft bis zu drei Jahren bestraft werden kann.

Ich dagegen rufe nicht zu Straftaten auf, jedenfalls nicht hier und heute. Insbesondere fordere ich Schüler nicht auf, auf der Seite von Herrn Räpple ihre Lehrer namens Adolf  Nikolaus oder Eva Osterhase als AfD-Hetzer zu denunzieren.

Mittwoch, 22. August 2018

Dumme Leute

In gewisser Weise dreht sich der ganze blog hier um Leute, die mit mehr oder weniger großen Dummheiten von sich reden machen. Dabei beschränke ich mich auf Dummheiten im Bildungsbereich, und wenn ich heute eine Ausnahme mache, dann nicht, weil es auf diesem Gebiet zu wenig davon gibt.

Ich habe mich diese Woche über einen unglaublich dummen Satz eines promovierten Agrarwissenschaftlers geärgert, der im Zusammenhang mit der Berichterstattung über einen Brand eines Bauernhofs in der Gegend in der lokalen Presse stand:

      "Jedes Tier, das bei einem Brand im Stall stirbt, 
        wurde grob fahrlässig getötet."

Damit genießen Kühe und Schweine mehr Rechte als Menschen, bei denen es durchaus vorkommen kann, dass sie ohne grobe Fahrlässigkeit bei einem Brand ums Leben kommen. Geschrieben hat den Satz ein gewisser Dr. Edmund Haferbeck von der PeTA.

Jetzt könnte man meinen, da sei dem Herrn aus Versehen ein dummer Satz rausgerutscht, den er nicht so gemeint hat. Wenn man allerdings nach dem obigen Zitat googelt, findet man nicht nur fast 100 Seiten, auf denen der genau gleiche Satz steht (bisweilen auch von Lisa Wittmann oder Lisa Kainz), sondern auch die Information, dass die PeTA grundsätzlich jeden Bauern vor den Kadi zieht, dessen Hof gerade abgebrannt ist. Das "e" in PeTA steht übrigens für "ethisch".

Was mich noch mehr ankotzt als dieser Deppenverein ist die Tatsache, dass dieser in Deutschland gemeinnützig ist. Zwar gibt es mancherorts Bestrebungen, das zu ändern, doch gibt es auch Politikerinnen, die ihre schützende Hand über den Verein halten. Eine davon ist die Frau Künast. Halten wir ihr zugute, dass jemand, der so viel redet, nur wenig Zeit zum Lesen oder zum Nachdenken hat.