Donnerstag, 18. Oktober 2018

Schlaue Leute

Doch. Die gibt es auch noch.

Einer der schlauen ist Cedric Villani. Der bekam 2010 die Fields-Medaille, unter anderem für seine Arbeiten zur Boltzmann-Gleichung. 2017 ist er in das Französische Nationalparlament gewählt worden, und Macron machte ihn zum Vorsitzenden einer Kommission, die ihn in Bildungsfragen beraten sollte. Im Februar 2018 hat er einen Bericht vorgelegt mit dem Titel "21 Maßnahmen für den Mathematikunterricht".

Schon der erste Satz unterscheidet sich von dem, was man von deutschen Berichten zu hören gewohnt ist, dass man auf einem guten Weg sei und unsere Kinder immer intelligenter und kompetenter werden und Deutschland im PISA-Test an Tadschikistan vorbeigezogen ist:

      Katastrophale Resultate.

      Seit einem Dutzend von Jahren werden die Ergebnisse unserer
      Schüler in Mathematik immer schlechter, einschließlich der
      besten unter ihnen. [. . . ] Die Aufgabe, 35,2 mit 100 zu
      multiplizieren, stellt für die Hälfte aller Grundschulabgänger
      eine große Hürde dar. 

Wie man sehen kann, klagt Frankreich auf hohem Niveau.
Sie machen besseren Mathematikunterricht als wir, spielen besser Fußball, und haben den besseren Wein und den besseren Käse. Wenn sie jetzt auch noch besseres Bier brauen als die Franken, wandere ich aus.

Unter den 21 Vorschlägen sind die folgenden zwei durch die neuesten didaktischen Forschungen aus Deutschland natürlich bereits widerlegt, aber ich erwähne sie trotzdem:

     11. Zahlensinn und Operationen

      Den Sinn der vier Grundrechenarten ab Klasse 1 pflegen.
      Der effektive Unterricht von Größen und Maßen in der
      Grundschule wird den Zahlensinn und die Grundrechenarten
      unterstützen.

      12.   Automatismen    

      Automatismen beim Rechnen in jeder altersstufe entwickeln,
       durch rituelle Praktiken (Wiederholung, Kopfrechnen, 
       geschicktes Rechnen) , um das Abspeichern im Gedächtnis
       zu unterstützen und den Geist der Schüler beim Lösen
       motivierender Probleme zu befreien.

Französisch klingt das natürlich besser als in holprigem Deutsch, aber man sieht auch so, dass Fields-Medaillist Villani kein Freund der didaktischen Weisheit ist, dass man, um ein guter Mathematiker zu werden, schlecht rechnen können muss.

     20. Lehrbücher 

      Die Lehrbücher werden von einem wissenschaftlichen 
      Komitee untersucht und nach ihrer Qualität [ . . . ] geordnet.

Strenggenommen hat Villani das Wort Qualität an dieser Stelle gar nicht benutzt, sondern nur gesagt, dass für die Lehrbücher ein Ranking erstellt werden soll. Für deutsche Lehrbücher wäre das relativ einfach: da würde auf den ersten 1000 Plätzen gar kein Buch stehen.

     21. Datenbank von Ressourcen

      Ein Online-Portal mit Ressourcen  für die Mathematik [ . . . }
      versehen [. . . ].

So geht digital, Frau Wanka, Frau Karliczek und Frau Bär !

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