Montag, 10. Februar 2020

AFDP

Grippe macht keinen Spaß, aber wenn ich mir hätte raussuchen können, wann ich sie kriege, wäre letzte Woche auch im Nachhinein eine gute Wahl gewesen. Man ist ja aus dem Lachen gar nicht mehr rausgekommen.

Da lässt sich ein FDP-Zipfelgesicht von CDU und AFD zum Ministerpräsidenten von Thüringen wählen, FDP-Chef Linder schwadroniert davon, dass es unter seinem Vorsitz keine Zusammenarbeit mit der AfD geben dürfe, obwohl es diese gerade eben gegeben hat, und Kubicki spricht von einem großartigen Ergebnis für die FDP.



Nachts hat Lindner wohl Internet geguckt und fährt am nächsten Morgen, während Kemmerich sich in Interviews keinerlei Schuld bewusst ist, zu einem Gespräch unter 4 Augen nach Erfurt. Dabei kommt Kemmerich von ganz allein drauf, dass sein Vorgehen der Beschlusslage der Bundespartei widerspricht und kündigt einen Rücktritt an. Danach lässt sich Lindner vom Präsidium bestätigen, und sobald die 33 von 36 Stimmen für ihn abgegeben sind, kommt Kemmerich und meint, der Rücktritt sei nun doch nicht geboten. Kurz darauf werden die Umfragewerte der FDP im Bund halbiert, woraufhin Kemmerich dann doch zurücktritt.



Was erlauben Kubicki? Anstatt 4 Wochen lang in sich zu gehen und sich zu schämen, tritt er abends bei Will an und meint, er hätte die Wahl nicht angenommen, weil er mental stärker sei als Kemmerich. Das ist die Vorgehensweise von Trump: wenn man beim Lügen erwischt wird, die Lüge einfach wiederholen. Wenn er die Wahl nicht angenommen hätte, wozu hat er dann Kemmerich gratuliert?

Und Lindner? Will von der AfD überrascht worden sein. Ist aber auch gelogen, weil AKK ihm die Sache am Tag vorher erklärt hat. Politik sei was für Profis, hat er über Greta Thunberg gesagt. Der wäre ein solches Debakel allerdings nicht passiert.

Kemmerich will die 100.000 Euro, die ihm seine 3-tägige Tätigkeit als MP eingebracht haben, zuerst zurückzahlen, dann aber einem wohltätigen Zweck spenden. Und zwar u.A. dem Verein  “Vereinigung der Opfer des Stalinismus e.V.”, dessen Vorsitzender  bei der Thüringer Landtagswahl für die AfD kandidiert hatte. Man kann das alles gar nicht erfinden.

Das Raumschiff CDU dagegen scheint auf eine Umlaufbahn um ein schwarzes Loch eingebogen zu sein, und es kommt bereits zu ersten Auflösungserscheinungen in Sachen Kausalität. Generalsekretär Ziemiak jedenfalls meinte:

        "Herr Ramelow hat keine Mehrheit in diesem Parlament, und 
         deswegen wird es auch keine Unterstützung für Herrn  Ramelow 
         von der CDU geben."

Ramelow hat keine Mehrheit, weil die CDU ihn nicht unterstützt. Wenn er eine Mehrheit hätte, müsste die CDU ihn nicht unterstützen.

Die Show geht weiter - pass the popcorn.
   

Kommentare:

  1. "Politik ist was für Profis."

    Das hat auch die Ex von FDP-Lindner bei Maybrit Illner gesagt:

    "Wenn so wenig Überblick da ist, über eine AfD, die sich schon im November der CDU und FDP angeboten hat, dann muss man sagen: Politik ist was für Profis."

    (siehe https://www.merkur.de/politik/tv-thueringen-maybrit-illner-zdf-lindner-rosenfeld-gauland-ex-frau-zr-13527882.html)

    AntwortenLöschen
  2. bei uns im Rems-Murr Kreis läuft der CDU MdB heiß:

    [zitat]
    " – in so einer „konfusen Situation“, schlägt Pfeiffer vor, sollte die CDU einen eigenen Kandidaten fürs Ministerpräsidenten-Amt aufstellen, der vorab glasklar sagt: „Ich paktiere nicht mit Links- und Rechtsradikalen.“ Erringe er dann in geheimer Wahl trotz dieser Ansage eine Mehrheit, „hat er die Legitimation“.
    [/zitat]
    Quelle: https://www.zvw.de/inhalt.rems-murr-kreis-thueringen-das-sagen-kreispolitiker-zu-fdp-und-kemmerich.9b46d885-8c8e-482f-8c6c-313825af0054.html

    AntwortenLöschen