Montag, 6. Mai 2019

Die Kunst, Aufgaben zu formulieren

     Zwei kreisrunde Kondensatorplatten mit einem Abstand 
     von 4 cm, an denen eine Spannung von 50 V liegt, sind 
     Teil eines Kunstwerks.

So könnte eine Physikaufgabe begonnen haben, welche die Abiturienten heute hätten lösen sollen. Hat sie aber nicht. In der Physik sind Kondensatorplatten nie Teil eines Kunstwerks.

In Mathematikabituraufgaben ist das anders. Dort musste man von einer Pyramide ABCS das Volumen ausrechnen (Manche fragen sich, inwiefern man damit seine Studierfertigkeit nachweisen kann; das gehört zu den Fragen, auf die ich keine Antwort weiß.  Die alten Ägypter haben schon vor 4000 Jahren ihre Schreiber darin unterrichtet, wie man das Volumen eines Pyramidenstumpfs berechnet. Zugebeben, das waren Pyramidenspezialisten, die damals schneller eine Pyramide in die Wüste gestellt haben als wir heute einen funktionsfähigen Flughafen in Berlin oder einen Bahnhof in Stuttgart bauen können. Aber ich schweife ab.). Hat man das zur Zufriedenheit der Aufgabensteller erledigt, geht es so weiter:

       In einem Koordinatensystem . . . stellt die Pyramide 
      ABOS ein Kunstwerk dar.

Warum? Das Volumen hat man bestimmen können, ohne dass die Pyramide zum Kunstwerk erklärt wurde, warum soll das mit dem Schatten eines Stabs auf der Pyramide nicht gehen?

Dass es in BaWü keine Petition gegen das zu schwere Mathe-Abi gibt, kann jeder nachvollziehen, der die "Analysis"-Aufgabe mit eigenen Augen gesehen hat und nicht vor Scham gestorben ist. Aber warum gibt es keine Petition gegen die bescheuerten Aufgabentexte? Und warum gibt es keine Kunstwerkaufgaben in andern MINT-Fächern? Weil die Physiklehrer sonst Emails nach Stuttgart schicken und fragen, ob man dort noch alle Tassen im Schrank hat?

Keine Kommentare:

Kommentar posten