Freitag, 25. September 2020

Mathe-Delta Verständniswettbewerb Runde 4

Man sollte meinen, dass man als Lehrer nach fast 20 Abiturklassen in Mathematik in der Lage wäre, Aufgaben zur Abiturvorbereitung problemlos und ohne Vorbereitung rechnen zu können. Wie man feststellen muss, ist das nicht der Fall. Die letzte Aufgabe zur Abiturvorbereitung in Mathe.delta für das Basisfach ist folgendes Kleinod:



Zu meiner Schulzeit gab es noch den Winkelsummensatz, also die Tatsache, dass die Summe der Winkel in einem ebenen Dreieck 180° beträgt. Heute würde der Satz, wenn man Geometrie noch unterrichten würde, Winkelweitensummensatz heißen müssen. Wo käme man auch hin, wenn man sprachlich nicht zwischen Winkeln und ihren Weiten unterscheiden würde?

Die Koordinaten der Punkte haben, wie so oft in diesem Buch, keine Maßeinheit (nicht einmal das Koordinatensystem ist irgendwie spezifiziert - hier muss wohl eine koordinatensystemfreie lineare Algebra vorliegen). Ich vermute mal, dass es sich um Meter handeln soll. In a) soll ich Winkel zwischen Unter- und Oberschenkel bei Start und Sprint berechnen, vermutlich auf eine Nachkommastelle. Beim Start kann ich das nachvollziehen, aber dass Unter- und Oberschenkel beim Sprint einen konstanten Winkel (also einen Winkel mit konstanter Weite) bilden, das wäre mir neu. Sehen würde ich das schon gerne - wäre was für das ministry for silly walks in Monty Pythons Flying Circus. Aber ausrechnen kann ich den Winkel, den es nicht gibt.

b) stellt mich vor größere Rätsel: Wieso liegen die Knie der Läufer in einer Ebene parallel zum Boden? Und durch welche Ebene wird der Boden beschrieben? Was bedeuten die ganzen Koordinaten überhaupt, wenn man sich das Koordinatensystem selbst raussuchen muss?

Die Schwierigkeiten nehmen von a) bis e) zu, das weiß ich aus anderen Abituraufgaben. Und bei c) frage ich mich, wie ein Vektor auf einer Geraden liegen kann. Vektoren bleiben doch bei Verschiebungen gleich? Immerhin kann ich mir denken, was die Autoren meinen. Wozu die Gerade durch die beiden Marker dienen soll (ist die während des Sprints auch konstant?), kann ich dagegen nicht erraten. Welches Problem, fragt man sich mit Neil Postman, wird durch diese Rechnung gelöst?

Bei d) stellt sich wieder die Frage, wie die Läufer laufen können, wenn sie den Oberschenkel waagrecht zum Boden halten. Bin ich mein Leben lang falsch gelaufen?

Bei e) fehlen mir die Worte. Pferden gibt man den Gnadenschuss.

Kommentare:

  1. Ich vermute das sollte eine Aufgabe mit englischer Fahne werden (also auf amerikanisch), oder warum fehlen die zumindest hier in Bayern typischen Nullen am Anfang der Dezimalbrüche. Und warum sind da Punkte statt Kommas?
    Oder es ist der geheime Bonuspunkt des es gibt, wenn man bei e) als Antwort, "Der Amerikaner ist schneller" schreibt.

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    1. Das scheint mir eher ein Hinweis darauf zu sein, wo die Autoren die Zahlen abgeschrieben haben. Aber die Antwort für die Kapitänsaufgabe e) gefällt mir.

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